Angsterkrankungen – wenn die Angst störend wird

Angsterkrankungen haben viel­fäl­ti­ge Ursachen. Die unnö­ti­ge Scham Angst ein­zu­ge­ste­hen, ver­län­gert den hohen Leidensdruck und erschwert die Diagnose. Ist die Angsterkrankung erkannt, ist sie psy­cho­the­ra­peu­tisch gut behandelbar.

Die Reaktion des Körpers auf Angst ist stärker wahrnehmbar als das Gefühl

Angst, das Gefühl, dass sich bei tat­säch­li­cher oder vor­ge­stell­ter Gefahr ein­stellt, ist die blitz­schnel­le Reaktion unse­res Gehirns und Körpers. Heutzutage meist ein Fehlalarm, der vom Gehirn schnell abge­stellt wer­den könn­te. Gelingt es nicht aus­rei­chend, wird die Angst zur Störung. Die mas­si­ven kör­per­li­chen Symptome wie Atemnot, Zittern, Herzrasen, Benommenheit, tro­cke­ner Mund und kal­ter Schweiß sind äußerst unan­ge­nehm. Diese star­ke Stressreaktion des Körpers wird von den Betroffenen meist stär­ker wahr­ge­nom­men als das Gefühl selbst und löst die Angst vor der Angst aus. Dadurch gera­ten Betroffene in einen Teufelskreis der Angst. Dazu kommt häu­fig die Scham die Angst ein­zu­ge­ste­hen. Verständlich, dass vie­le Betroffene die aus­lö­sen­den Situationen ver­mei­den und dazu nei­gen, die Störung zu ver­ber­gen. Dabei gehö­ren Angststörungen in Deutschland zu den häu­figs­ten psy­chi­schen Erkrankungen, die mit einer gene­ti­schen Veranlagung zusam­men­hän­gen. Viele Betroffene lei­den unnö­tig lan­ge unter den Erkrankungen, da unnö­ti­ge Scham und die schwie­ri­ge Diagnose die früh­zei­ti­ge Behandlung ver­hin­dern. Dabei sind Angsterkrankungen psy­cho­the­ra­peu­tisch gut behandelbar.

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Die Erblichkeit von Angsterkrankungen wird auf 30% ‑ 50% geschätzt.

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Die Erblichkeit von Angsterkrankungen wird auf 30% ‑ 50% geschätzt.

Ich hat­te mein gan­zes Leben vie­le Probleme und Sorgen. Die meis­ten von ihnen sind aber nie­mals eingetreten.” 

– Mark Twain –

Die neurowissenschaftliche Betrachtung der Angst

Angst ist die Folge der blitz­schnel­len Reaktion unse­res Gehirns auf einen äuße­ren Reiz, der eine Gefahr sein könn­te. Wahrscheinlich hat das jeder Mensch schon mal erlebt, ein lau­ter Knall oder ein vor­bei­hu­schen­der Schatten der eine Kaskade von Reaktionen erhöh­ter Alarmbereitschaft aus­löst. Die Schrecksekunde, in der der Atem stockt, der Herzschlag kurz aus­setzt, sich die Muskeln anspan­nen und auch die Wahrnehmung wie hören und sehen geschärft sind.  In die­sem Alarmzustand ist die Amygdala, der Mandelkern beson­ders aktiv und steu­ert die Kaskade der Angstreaktion über Hormone. Die ver­mehr­te Ausschüttung der Hormone pusht den Körper zur äußers­ten Leistungsfähigkeit. Der Thalamus, auch bekannt als das Tor zu Bewusstsein im Gehirn, lie­fert der Amygdala eine Abschätzung der Situation, um zwi­schen Flucht, Kampf oder Totstellen zu ent­schei­den. Eine genaue­re Analyse der Situation erfolgt deut­lich spä­ter, wenn die Gefahr abge­klun­gen ist. Dazu wird der prä­fron­ta­le Cortex, ein jün­ge­rer Teil unse­res Gehirns hin­zu­ge­zo­gen und die Situation mit abge­spei­cher­ter Erinnerung durch Einbeziehung des Hippocampus abge­gli­chen, durch­dacht und bewer­tet. Im Wesentlichen ist an die­sem Prozess der Hirnstamm, der evo­lu­ti­ons­ge­schicht­li­che älte­re Teil unse­res Gehirns, betei­ligt. Er hat sich bereits vor ca. 500 Millionen Jahren im Laufe der Evolution ent­wi­ckelt und regu­liert alle lebens­wich­ti­gen Bereiche wie die Atmung, den Herzschlag und Darmtätigkeit. Der mensch­li­che Hirnstamm unter­schei­det sich in sei­ner Funktionsweise nicht von dem Hirnstamm ande­rer Wirbeltiere oder Reptilien.

Die evolutionsbiologische Betrachtung der Angst

Evolutionsbiologisch sichert die Angstreaktion das Überleben, wie man ein­wand­frei an dem soge­nann­ten „Angsthasen“ beob­ach­ten kann. Hasen die in akut lebens­be­droh­li­chen Situationen nicht ange­mes­sen reagie­ren, wer­den gefres­sen und sind nicht mehr in der Lage Nachkommen zu zeu­gen. Das jet­zi­ge Leben ver­dan­ken wir den „Angsthasen“ unter unse­ren Vorfahren. Nicht nur unter dem Aspekt, dass sie uns eine Überlebens-kom­pe­ten­te Angstreaktion ver­erbt haben, son­dern auch dass ihre Ängste, Befürchtungen und Sorgen funk­tio­nal zur Entwicklung wich­ti­ger Fähigkeiten zur Vorsorge ent­wi­ckelt haben. Die Angst vor Hunger und Hungertod ist schon in der Steinzeit ein guter Antrieb, um Konservierungsmethoden für Lebensmittel und den Anbau von Getreide zu entwickeln.

Über die Entstehung von Angststörungen

Früher ging man von ver­schie­de­nen Theorien aus, um die Entstehung von Angststörungen zu erklä­ren. Die Lerntheorie, die Entstehung durch trau­ma­ti­schen Kindheitserlebnissen oder ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn. Heutzutage gibt es ver­mehrt wis­sen­schaft­li­che Untersuchungen, die der Vererbung eine grö­ße­re Rolle zuwei­sen. Durch wis­sen­schaft­li­che Studien an Zwillingen wird die Erblichkeit auf 30% — 50% geschätzt. Allerdings geht man heut­zu­ta­ge davon aus, dass es ein kom­ple­xer Prozess aus gene­ti­schen, neu­ro­bio­lo­gi­schen und psy­cho­so­zia­len Faktoren der Umwelt handelt.

Die tiefenpsychologische Betrachtung der Angst

Angst hat immer einen Sinn, da sie uns vor zukünf­ti­gen Gefahren beschüt­zen will. Sie hat mit unbe­wuss­ten Wünschen, Gedanken, Gefühlen und Fantasien zu tun, die als Gefahr für das eige­ne Leben inter­pre­tiert wer­den. Ängste tre­ten dann auf, wenn bestimm­te Situationen ein Symbol für die zumeist ver­bo­te­nen Wünsche, Gedanken, Gefühle oder Fantasien sind. Verständlicherweise wird das unan­ge­neh­me Gefühl der Angst und die damit ver­bun­de­ne kör­per­li­che Reaktion ver­mie­den, ver­drängt oder ver­scho­ben. Diese Abwehrmechanismen ste­hen im Widerspruch zu den eige­nen Bedürfnissen und führt zu intra­psy­chi­schen Konflikten, die uns inner­lich über­mä­ßig beschäf­ti­gen. Die auf­de­cken­de und auf­lö­sen­de Arbeit ver­än­dert nach­hal­tig die Beziehung zu dem aus­lö­sen­den Symbol und zu sich selbst.

Das Problem der Verdrängung

Angst führt zu einem erhöh­ten Adrenalinspiegel im Blut. Manchmal genügt der kleins­te Anlass, um eine Angstreaktion aus­zu­lö­sen. Die Angst wird aus unnö­ti­ger Scham ver­steckt und das erschwert die Diagnose.

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Heilpraktikerin Psychotherapie

Dr. rer. nat. Kirsten Linnow

Heilpraktikerin Psychotherapie | Hypnosetherapeutin | Kursleiterin Stressmanagement | Dipl. Chem.

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Der Puls steigt an, das Blut weicht aus dem Gesicht, der Körper zit­tert und die Knie wer­den weich. Obwohl der Atem schnel­ler wird, kann das Gefühl ent­ste­hen kei­ne Luft mehr zu bekom­men. Magenschmerzen, Durchfall, Erbrechen, wei­te Pupillen, Schweißausbrüche, Harndrang, Kopfschmerzen, Schwindel und Ohnmachtsgefühle kön­nen wei­ter Symptome sein. Verständlich das die hef­ti­gen kör­per­li­chen Symptome im Vordergrund ste­hen und sich man­che Menschen der Ängste nicht bewusst sind. Die Folgen kön­nen Beschwerden wie Verdauungsproblem, Schlaf‑, Ess- und Konzentrationsstörungen, Herzbeschwerden von Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden, Inkontinenz, Depressionen, erhöh­te Infektanfälligkeit. Die Schwierigkeit für einen Arzt besteht dar­in, dass eine Reihe von orga­ni­schen Ursachen aus­ge­schlos­sen wer­den muss bevor die Angst als Ursache für die kör­per­li­chen Beschwerden erkannt wer­den kann.

Die Behandlung von Angststörung

Aus den Ideen wie Angststörungen ent­ste­hen haben sich unter­schied­li­che Behandlungsmethoden ent­wi­ckelt. Die Verhaltenstherapie hat sich aus der Idee der erlern­ten Angstreaktion ent­wi­ckelt. Der tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche Ansatz arbei­tet mit den unbe­wuss­ten Wünschen, Gedanken und Fantasien und auch trau­ma­ti­schen Kindheitserlebnissen. Während der neu­ro­bio­lo­gi­sche Ansatz zur Pharmakotherapie führ­te und der über­mä­ßi­ge Angstreaktion mit Medikamenten zur Regulation der Botenstoffe im Gehirn begeg­net. Der hyp­no­the­ra­peu­ti­sche Ansatz beschäf­tigt sich mit einer Neuvernetzung der Gehirnstrukturen, damit die aus­lö­sen­den Situationen oder Gegenständen eine ange­neh­me­re Reaktion im Gehirn aus­lö­sen. Da Angststörungen zu den häu­figs­ten psy­chi­schen Erkrankungen zäh­len, haben sich noch zahl­rei­che ver­fei­ner­te ent­wi­ckelt, die ver­schie­de­ne Aspekte der Entstehung mit­be­rück­sich­ti­gen. Angststörungen sind psy­cho­the­ra­peu­tisch gut behan­del­bar, ins­be­son­de­re wenn es nach dem ers­ten Auftreten zu einer früh­zei­ti­gen Behandlung kommt.